Medizinische Zwangsberatung‘ – Schritte auf dem Weg zur Psychiatrisierung von Sexarbeit

    Medizinische Zwangsberatung‘ – Schritte auf dem Weg zur Psychiatrisierung von Sexarbeit

    mit Genehmigung darf ich hier Fraences Vortrag von den Prostitutionstagen veröffentlichen...mich fröstelt es beim lesen! Gruß von der hoch traumatisierten Katze

    ‚Medizinischen Zwangsberatung‘ – Schritte auf

    dem Weg zur Psychiatrisierung von Sexarbeit


    Vortrag von Fraences auf den „4. Frankfurter Prostitutionstagen“

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    liebe Freunde

    bekanntlich plant die Bundesregierung mit ihrem „Prostituiertenschutzgesetz“, dass

    Sexarbeiter/innen sich zukünftig einem Anmeldeverfahren unterwerfen sollen.

    Dieses Anmeldeverfahren umfasst zusätzlich zu einer gesundheitlichen Zwangs-

    beratung noch ein so genanntes „Informations- und Beratungsgespräch“, zu dem

    wir persönlich erscheinen müssen.

    Dabei dürfte es am allerwenigsten um Information und Beratung gehen. Einige Infos

    zu den örtlichen Sperrgebietsregelungen und die Telefonnummern von Polizei und

    Beratungsstellen wird man uns in die Hand drücken. Kernpunkt des Gesprächs aber

    soll eine Überprüfung unserer „Einsichtsfähigkeit“ sein. Können wir die „zu

    unserem Schutz erforderliche Einsichtsfähigkeit“ nicht nachweisen, kann man uns

    zukünftig die Ausübung der Prostitution verbieten.

    Durch dieses Verweigerungsrecht der Behörde verwandelt sich die „Anmeldepflicht“

    de facto in eine „Erlaubnispflicht“ für Sexarbeit. Wo man auch hinschaut bei

    diesem Gesetz – überall findet sich Etikettenschwindel.

    Die auf uns zukommende Anmeldepflicht ist mehr ist als eine bloße Registrierung

    – was für sich genommen schon schlimm genug ist. Es geht dabei auch um eine

    inquisitorische und übergriffige Ausforschung der Betroffenen. Wohlgemerkt: Es

    geht nicht um die Prüfung vorhandener oder nicht vorhandener Einsichten. Es geht

    um die Überprüfung unserer Fähigkeit zur Einsicht. Mit anderen Worten: ob wir

    noch ganz dicht sind! Ich halte das für eine anmaßende und grobe Verletzung

    unseres Persönlichkeitsrechts. Das sollten wir entschieden zurückweisen!

    Wie will die zuständige Behörde eigentlich feststellen, ob eine Sexarbeiter/in mit

    mangelnder Einsichtsfähigkeit vor ihnen steht? Schauen wir mal in die Begründung

    des Prostituiertenschutzgesetzes. Dort ist zu lesen1, dass es sich dabei um eine

    Person handelt, die (ich zitiere) „nach ihrer persönlichen und sozialen

    Entwicklung nicht in der Lage ist, die Reichweite und vor allem auch die Risiken

    der Prostitutionsausübung zu erkennen und nach dieser Einsicht zu handeln."

    1 Nachfolgende Zitate aus GE, S. 63/64, 86

    1

    Als Anhaltspunkt für eine mangelhafte „Einsichtsfähigkeit“ gilt z. B. (ich zitiere) eine

    „stark ausgeprägte Intelligenzminderung“, die mit „emotionaler und sozialer

    Unreife“ einhergeht. Diese kann sich in einer „außerordentlich psychischen

    Abhängigkeit“ oder in einer „erschwerten Anpassung an die Anforderungen des

    alltäglichen Lebens“ äußern.

    Es bestehe die Gefahr, dass solche Personen sich (ich zitiere) „völlig naiv auf eine

    Tätigkeit als Prostituierte einlassen“. Sie besäßen „erkennbar sehr naive Motive

    oder unrealistische Vorstellungen von der Tätigkeit als Prostituierte“. Es mangelt

    ihnen „aufgrund psychischer oder geistiger Einschränkungen“ an der „ausrei-

    chenden Einsichtsfähigkeit“.2

    All das kann man nachlesen in der Begründung zum „Prostituiertenschutzgesetz“ auf

    den Seiten 63/64 und 86. Die Rede von den angeblich „nicht einsichtsfähigen

    Prostituierten“ ist neu. Zumindest spielte das in den letzten Jahren und Jahrzehnten

    keine Rolle. Warum aber jetzt?

    Warum braucht das „Prostituiertenschutzgesetz“ einen solchen Popanz?

    Wie der Name des Gesetzes besagt, erhebt es den Anspruch uns zu „schützen“.

    Aber dafür muss man uns erst einmal für „schutzbedürftig“ erklären. Bisher galten

    wir als „schutzbedürftig“, weil die große Mehrzahl von uns angeblich gar nicht

    freiwillig, sondern nur unter „Zwang“ in der Prostitution arbeitet.

    Seit zwei Jahrzehnten erklären Politiker und Medien landauf landab, dass

    Sexarbeiter/innen mehrheitlich „Zwangsprostituierte“ seien. Die kleine Zahl

    selbstbestimmter Frauen, die ab und zu mal in den Medien auftreten, sei lediglich die

    exotische „Ausnahme von der Regel“.

    Dumm ist nur, dass es für die Behauptung der weit verbreiteten „Zwangs-

    prostitution“ schon seit Jahren keinen verlässlichen Nachweis gibt. Schlimmer

    noch: Polizei und Beratungsstellen gehen zunehmend die vorzeigbaren „Opfer“ aus.

    So gab es im vergangenen Jahr 2014 bei den drei einschlägigen Rotlicht-Delikten

    „Ausbeutung von Prostituierten“, „Zuhälterei“ und „Menschenhandel“ zusammen-

    genommen gerade mal 902 mutmaßliche Opfer. Im Jahr 2000 war diese Zahl noch

    mehr als viermal so hoch (4.416).

    Doch selbst die 2014 registrierten 902 „Opfer“ stehen nur auf dem Papier der

    polizeilichen Kriminalstatistik. Es sind nur die von der Polizei vermuteten Opfer. Sie

    2 GE S. 86

    2

    werden aufgrund von Anzeigen so eingestuft, ohne dass ein unabhängiges Gericht

    darüber befunden hat, ob sie wirklich „Opfer“ sind.

    Nimmt man die Dinge, wie sie sich nach der rechtstaatlichen Überprüfung durch

    ein Gerichtsverfahren darstellt, so kommt zuletzt – nämlich im Jahr 2013 – auf

    gerade einmal mit 94 verurteilte Täter bei Rotlichtdelikten.

    Seit gut 20 Jahren aber liegt das Verhältnis mutmaßlicher „Opfer“ zu „Tatverdächti-

    gen“ bei „1 zu 1“. Bei knapp 100 verurteilten Tätern käme man somit auf eine Zahl

    von 100 bis 150 „tatsächlichen Opfer“. Bezieht man diese geringe Zahl auf die

    200.000 hierzulande in der Prostitution tätigen Frauen, so heißt das: Mehr als 99 %

    der Sexarbeiter/innen arbeiten dort aufgrund selbstgetroffener Entscheidungen,

    ohne dass täglich Zwang auf sie ausgeübt werden müsste. Das ist die Realität. Und

    an dieser Größenordnung würde sich rein gar nichts ändern, wenn man von einem

    100-prozentigen Dunkelfeld ausgehen und die Zahl der tatsächlichen Opfer

    verdoppeln würde.

    Was den Nachweis angeblicher „Zwangsprostitution“ betrifft, so hat die Polizei also

    auf ganzer Linie versagt – sehr zum Verdruss der Prostitutionsgegner in und

    außerhalb der Politik. Auch zehn weitere „Tatorte“ können an diesen Fakten nichts

    ändern.

    Wenn sich aber die „Schutzbedürftigkeit“ aufgrund „äußerer Umstände“ –

    nämlich durch permanenten „Zwang“ der Zuhälter und Menschenhändler – immer

    weniger belegen lässt, müssen andere Gründe herhalten als Rechtfertigung für eine

    behördlich-polizeiliche Dauerüberwachung der Prostitution. Deshalb die Erfindung

    der angeblich „mangelnden Einsichtsfähigkeit“ von Sexarbeiter/innen. Der Vorteil für

    Prostitutionsgegner: Es handelt sich bei der „Einsichtsfähigkeit“ nicht um messbare

    äußere Umstände, sondern um eine kaum objektiv überprüfbare „innere Befähi-

    gung“. Der Willkür von Prostitutionsgegnern sind dabei kaum Grenzen gesetzt.

    Und wir sollten genau registrieren: Nicht mehr der „Zuhälter“ oder der „Menschen-

    händler“ ist hier das Problem, sondern die Sexarbeiterin selbst wird hier zum

    Problem erklärt! Das Klima ändert sich…

    Allein 5 der 39 Paragrafen des „Prostituiertenschutzgesetzes“ nehmen Bezug auf

    die neu erfundene Gruppe von Sexarbeiter/innen mit angeblich „mangelnder

    Einsichtsfähigkeit“.3 Es scheint der Regierung also durchaus wichtig zu sein.

    3 § 5 („Anmeldebescheinigung“), § 8 („Maßnahmen bei Beratungsbedarf“), § 21 („Rücknahme und

    Widerruf der Erlaubnis“), § 23 („Betriebskonzept für Prostitutionsgewerbe“) und § 25 („Auswahl der

    im Betrieb tätigen Personen; Beschäftigungsverbote“).



    3

    Aber wie wichtig aber ist das für uns Sexarbeiter/innen?

    Ich kann mir gut vorstellen, dass viele sich sagen: „Betrifft mich nicht. Ich bin schon

    lange genug im Gewerbe, mir kann keiner ein X für ein U vormachen. Betrifft

    vielleicht ausländische Prostituierte, die keinen Durchblick haben. Vielleicht gar nicht

    so schlecht, wenn die erst mal nicht in der Prostitution arbeiten.“

    Klar, kann man so sehen. Nur ist die dahinter stehende Vorstellung, es beträfe nur

    eine kleine ausgewählte Gruppe, schon im Ansatz falsch.

    Werft einfach mal einen Blick in die Gesetzesbegründung. Dort steht in Bezug auf

    das Prostitutionsgewerbe, es sei eine Tatsache, dass (ich zitiere) „die in diesem

    Bereich Tätigen belegbar erheblichen psychischen und physischen Gefähr-

    dungen ausgesetzt sind“. Weiter heißt es (ich zitiere): „Es ist darüber hinaus eine

    soziale Realität, dass viele Prostituierte sich in einer sozialen und psychischen

    Situation befinden, in der es fraglich ist, ob sie sich wirklich frei und autonom für

    oder gegen diese Tätigkeit entscheiden können.“ 4

    Im Klartext heißt das: Nicht einige wenige, sondern mehr oder weniger alle in der

    Prostitution Tätigen werden verdächtigt, sich aufgrund starker psychischer Belastung

    nicht wirklich frei entscheiden zu können.

    Das Prostitutionsgesetz von 2002 hat uns – zumindest auf dem Papier - noch

    „Selbstbestimmung“ zugetraut. Heute wird im „Prostituiertenschutzgesetz“ nur noch

    von Selbstbestimmung und Freiwilligkeit gesprochen, um sie in Zweifel zu ziehen.

    Mittlerweile haben wir eine „Beweislastumkehr“. Das heißt:

    1) Unsere Selbstbestimmung wird in Zweifel gezogen und

    2) Wir selbst sind es, die belegen müssen, dass wir noch richtig ticken.

    Das ist die Logik, die der Zwangsberatung nach dem neuen „Prostituiertenschutz-

    gesetz“ zugrunde liegt.

    Wie konnte es zu dieser Umkehr der bisherigen Sichtweise kommen?

    Werfen wir einen kurzen Blick zurück: Ihr alle habt die seit dem damaligen

    Prostitutionsgesetz geführte Auseinandersetzung mitbekommen um die Frage: „Ist

    Prostitution ein Beruf wie jeder andere?“

    Kaum ein Artikel, kaum eine Talkshow, die ohne diese Frage auskam. Dabei ist

    schon die Frage unsinnig. Bekanntlich ist jeder Beruf anders als jeder andere

    Vergleichsberuf. Aber das hinderte nicht, dass die Frage immer wieder gestellt wurde

    mit dem absehbaren Ergebnis, dass Prostitution selbstverständlich anders als andere

    4 GE, S. 32

    4

    Berufe sei. Wie ein Mantra geisterte die Formel „Prostitution ist kein Beruf wie

    jeder andere“ durch die Debatte und signalisierte das nach wie vor bestehende

    Abgrenzungsbedürfnis gegenüber Prostitution. Zugleich ließ sich damit die

    insgesamt halbherzige Legalisierung von 2002 rechtfertigen, die sie strafrechtliche

    Reglementierung und damit die rechtliche Ungleichbehandlung in vielen Bereichen

    beibehielt.

    Doch etwa 2013 nahm diese Diskussion eine Wende: Prostitution gilt nicht länger als

    ein andersartiger Beruf, sondern zunehmend als ein nicht „normaler“ Beruf! Der

    nächste Schritt war geradezu logisch: Wenn die Tätigkeit Prostitution nicht „normal“

    ist, wie können dann die Prostituierten, die diese Tätigkeit ausüben, noch als

    „normal“ gelten?

    Die steile These, Prostitution sei kein „normaler Beruf“, kommt insbesondere aus der

    Ecke derjenigen, die sich für das „Schwedische Modell“ der Freierbestrafung stark

    machen und behaupten, sie seien nur gegen das „System der Prostitution“, nicht

    aber gegen Prostituierte. Diese Logik war schon immer verlogen. Es sind Leute, die

    nicht davor zurückschrecken, Prostituierte solange zu stigmatisieren, bis sie wieder

    Insassen psychiatrischer Kliniken sind.

    Das ist keineswegs eine Übertreibung. Schaut Euch einmal an, was Vertreter/innen

    der Bewegung „Stopp Sexkauf“ auf der Website trauma-and-prostitution.eu

    über Sexarbeiter/innen verbreiten!

    Ich greife an dieser Stelle nur einige ihrer Wortführerinnen heraus.

    (Dr. Ingeborg Kraus)

    Zu den Erstunterzeichner/innen des Aufrufs „Stopp Sexkauf“ gehört Dr. Inge-

    borg Kraus. Sie ist Psychotherapeutin in Karlsruhe, schreibt gerne in der EMMA und

    ist Initiatorin des „Karlsruher Appells“ für die Abschaffung von Prostitution. Sie wird

    inzwischen von den international vernetzten Prostitutionsgegnern von einer

    Fachtagung zur nächsten herumgereicht: Montreal, New York, Madrid, München.

    Was hat diese Frau über uns Sexarbeiter/innen zu sagen?

    Prostitutionsausübung – so Frau Kraus – kann gar nicht auf einer eigenständigen

    und bewusst getroffenen, also freiwilligen Entscheidung beruhen. Denn Prostitution

    ist nichts anderes als eine „Re-Inszenierung psychischer Traumata“, die

    Sexarbeiter/innen in ihrer Kindheit erlebt haben. Prostitutionsausübung sei nichts

    anderes als eine „posttraumatische Folgestörung“ und ein „selbstverletzendes

    Verhalten“. Der überwiegende Teil der Prostituierten habe Biografien mit

    entsprechenden Vorbelastungen. Dazu zählten insbesondere körperliche und

    5

    sexuelle Misshandlungen. Prostituierte seien also von Anfang an „Opfer“, und sie

    bleiben es, weil sie sich zwanghaft immer aufs Neue Misshandlungen aussetzen.

    Das würden Prostituierte nur nicht zugeben. Denn sie hätten eine „gestörte

    Wahrnehmung der eigenen Gefühle“.

    Prostituierte sind allesamt traumatisiert. Sie waren als Kinder hilflos bestimmten

    Situationen ausgeliefert, in die sie sich als Erwachsene nunmehr aus Wiederholungs-

    zwang begeben, um ihren Ausgangskonflikt – diesmal unter den Bedingungen von

    Macht und Kontrolle – ständig neu zu inszenieren, um so die ursprüngliche trauma-

    tische Ohnmacht zu überwinden. Diese Überwindung sei jedoch nur scheinbar. Denn

    sie sei mit einer „Abspaltung von Gefühlen“ verbunden – was „Dissoziation“ genannt

    wird. Nur dadurch seien Situationen, die mit Ekel und Angst verbunden seien, zu

    ertragen.

    In einem Beitrag, den Dr. Ingeborg Kraus im März 2014 auf einer Podiumsdiskussion

    in München gemacht hat, erklärte sie (ich zitiere):

    „Im Moment der Dissoziation, z. B. wenn man Ekel und Schmerz ausblenden

    muss, findet eine Art Hirnfreezing statt, das einen aber auch handlungs-

    unfähig macht, d.h. man kann keine Grenzen ziehen und nicht mehr Nein

    sagen. Fatal für Frauen, die sich einer Horde Männer gegenüber befinden, die

    für eine Gang-Bang-Party bezahlt haben. Die Frage ist: Wollen wir das, was

    definitiv zur Prostitution dazugehört, zu einem normalen Beruf für

    Frauen erklären?“ 5

    Bereits 2013 beschrieb Frau Kraus in EMMA Prostitution als einen „Akt des

    Selbsthasses und der Selbstschädigung“. Prostituierte hätten keine funktio-

    nierenden Selbstschutzmechanismen, sondern praktizieren nur „dysfunktionale

    Versuche, sich selbst zu schützen“: „Vor diesem Hintergrund muss das Konzept der

    Freiwilligkeit in der Prostitution und die Darstellung als normale Tätigkeit in Frage

    gestellt werden.“6

    Mit Bezug auf die Hirnforschung erklärt Frau Kraus mittlerweile, dass Trauma-

    Erfahrungen zu „hirnorganischen Veränderungen“ führen, zu einem „Einfrieren

    des Gehirns“ Mit anderen Worten: Sexarbeiter/innen haben einen an der Waffel.

    5 Dr. Ingeborg Kraus, Prostitution als Reinszenierung erlebter Traumata, zitiert nach:

    trauma-and-prostitution.eu/201…-reinszenierung-erlebter-

    traumata/#more-57

    6 Dr. Ingeborg Kraus, Prostitution und Freiwilligkeit, zitiert nach:

    trauma-and-prostitution.eu/201…ution-und-freiwilligkeit/

    6

    Gleichzeitig habe die biologische Trauma-Forschung herausgefunden, dass das

    „erneute Aufsuchen von Gewalt“ mit einer „endogenen Opioid-Ausschüttung“

    verbunden sei, was beruhigende Wirkung habe.

    Damit hat diese traumapsychologisch vorgebildete Prostitutionsgegnerin uns endlich

    eine hirnorganische Erklärung dafür geliefert, warum Sexarbeiter/innen nicht den

    Ratschlägen wohlmeinender Feministinnen folgen und die Prostitution an den Nagel

    hängen: Sie sind geistig nicht ganz zurechnungsfähig, sie ticken nicht richtig.

    An die Stelle des Zwangs durch äußere Umstände wie „Zuhälter“ und „Menschen-

    händler“ tritt nun der „innere Zwang“, dem offensichtlich sämtliche Prostituierte

    folgen: ihr geradezu unheimlicher Hang, „sich immer wieder erneut Misshand-

    lungen auszusetzen“.

    Die im neuen „Prostituiertenschutzgesetz“ vorgesehene Überprüfung der

    „Einsichtsfähigkeit“ von Sexarbeiter/innen macht vor diesem Hintergrund durchaus

    Sinn. Sie könnte möglicherweise nicht einige wenige, sondern uns alle betreffen.

    (Michaela Huber)

    Dr. Ingeborg Kraus ist mit ihren Ansichten nicht alleine. Sie hat im September 2014

    einen Aufruf von „Psychotherapeuten/innen gegen Prostitution“ ins Leben

    gerufen. Den findet man ebenfalls auf der Website trauma-and-prostitution.eu.

    Zu den Erst-Unterzeichner/innen zählen neben einigen namhaften Professoren aus

    der Trauma-Branche auch Michaela Huber, Diplom-Psychologin und Vorsitzende

    der Deutschen Gesellschaft für Trauma und Dissoziation.

    Auf der genannten Website findet man von ihr einen Vortrag mit dem Titel „Trauma

    und Prostitution aus traumatherapeutischer Sicht“.7 Darin legt Frau Huber dar, dass

    Prostituierte bereits in der Kindheit „bindungstraumatisiert“ seien, sexueller

    Gewalt ausgesetzt oder anderen zur sexuellen Ausbeutung überlassen waren. Die

    Folge sei „mangelnder Selbstschutz“. Der Schritt hin zu einem „Prostituierten-

    schutzgesetz“ versteht sich dann wie von selbst.

    Laut Michaela Huber handeln Sexarbeiter/innen gegen die Natur des Menschen.

    Denn das Zulassen einer ständigen Penetration des eigenen Körpers sei nur möglich

    durch ein „Abschalten natürlicher Phänomene“ wie Angst, Scham, Ekel und

    7 Michaela Huber, Trauma und Prostitution aus traumatherapeutischer Sicht, zitiert nach:

    trauma-and-prostitution.eu/201…uma-und-prostitution-aus-

    traumatherapeutischer-sicht/

    7

    Verachtung. An die Stelle solcher „natürlicher Reaktionen“ tritt ein „Umdefinieren der

    Handlungen in eine ‚Arbeit‘ oder ‚Dienstleistung‘“.

    Ein Trauma, so Frau Huber, bedeutet ferner, dass „die integrative Funktion des

    Gehirns überfordert ist“. Es kommt zu „gefühlsmäßigen Störungen“. „Viele

    Menschen suchen die Trauma-nahe Situation immer wieder auf, weil sie nicht

    (ausreichend) aus Erfahrung lernen.“

    Wer also – wie wir Sexarbeiter/innen - unfähig ist, aus den eigenen Erfahrungen zu

    lernen, wer sich also nicht selbst schützen kann, der muss eben geschützt werden.

    Im Zweifel durch ein „Prostituiertenschutzgesetz“…

    Michaela Huber ist nicht irgendwer. Sie war von 1978 bis 1983 war sie Redakteurin

    bei der Zeitschrift „Psychologie heute“ und erhielt 2008 das Bundesverdienst-

    kreuz für ihr großartiges Engagement für schwer traumatisierte Menschen.

    2011 erhielt sie den Bertha-Pappenheim-Preis „für besonders verdienstvolle und

    wirkungsvolle nationale und internationale Beiträge und Publikationen zur Verbes-

    serung der Situation von Frauen mit einer dissoziativen Identitätsstörungen“. Der

    Preis wird im Übrigen verliehen von der „Deutschen Gesellschaft für Trauma und

    Dissoziation e.V.“, deren Vorsitzende Frau Huber ist. Sie hat sich den Preis

    sozusagen selbst verliehen. Das nur als Anmerkung, wie diese Leute selbst ticken…

    Man fragt sich natürlich, worauf Leute wie Kraus und Huber ihre Einsichten stützen.

    In der Regel verweisen solche Leute auf ihre „langjährigen psychotherapeu-

    tischen Erfahrungen“. So schrieb etwa Kraus in EMMA: 2013:

    „In meiner langjährigen psychotherapeutischen Erfahrung habe ich auch

    Prostituierte begleitet und die Hintergründe kennengelernt, die diese Frauen in

    die Prostitution geführt haben. Es wurde dabei deutlich, dass die Prostitution

    in allen Fällen die Fortsetzung von Gewalterfahrungen in ihrer Biographie

    war.“

    Auch Michaela Huber bezieht sich auf „Erfahrungen aus Beratung und Psycho-

    therapie“.

    Ich selbst bin keine Psychologin oder Therapeutin. Insofern steht es mir nicht zu, sol-

    che Erfahrungen zu bewerten. Ich mag auch gar nicht ausschließen, dass es unter

    Sexarbeiter/innen solche Biografien mit Gewalterfahrungen im Vorfeld von

    Prostitution gibt.

    Aber ich sage in aller Deutlichkeit:

    Der Rückschluss von Einzelfällen der psychotherapeutischen Beratungspraxis auf

    eine Gesamtbewertung des Berufs Prostitution ist unzulässig und unseriös.

    8

    Hier wird ein ganzer Berufsstand unter Missbrauch wissenschaftlicher Reputation

    aus ziemlich durchschaubaren Motiven für krank bzw. krankhaft erklärt.

    Was würde man von Wissenschaftlern halten, die aufgrund der Aussagen einiger

    Dutzend Ehefrauen, die einen Therapeuten aufsuchen, die Abschaffung von Ehe und

    Familie fordern. Sie würden nicht für voll genommen, ihre Karriere wäre beendet.

    Nur bei Prostitution ticken die Uhren bekanntlich mal wieder anders: Gerade das

    Abweichen von wissenschaftlichen Standards scheint hier als besonders seriös zu

    gelten.

    Um bei dem Nachweis für die seelischen Schäden, die angeblich durch Prostitu-

    tion entstehen, nicht nur auf eigene Therapieerfahrungen und auf die weltweit

    präsentierten fünf bis zehn Aussteigerinnen angewiesen zu sein, verweist man auf

    wissenschaftliche Studien, die belegen sollen, dass Prostitution nur eine

    zwanghafte Fortsetzung frühkindlicher Gewalterfahrungen sei.

    (Studie von Sybille Zumbeck)

    In Deutschland gibt es tatsächlich eine empirische Untersuchung zu

    posttraumatischen Belastungsstörungen im Zusammenhang mit Prostitution. Sie

    ist aus dem Jahr 2001 und stammt von der Hamburger Psychologin Sybille

    Zumbeck. Es ist die bislang einzige Studie zu diesem Thema in Deutschland.8 Sie

    kommt zu dem Ergebnis, dass 98 % der Befragten mindestens ein Trauma erlebt

    haben und immerhin 59 % der befragten Prostituierten eine „posttraumatische

    Belastungsstörung“ hätten.

    Das sei wesentlich mehr als beim Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. Stimmt es

    also doch, was die Prostitutionsgegnerinnen über den Zusammenhang von

    Traumatisierung und Prostitution behaupten? Haben sie die Fakten auf ihrer

    Seite?

    Vertreter/innen der „Stopp Sexkauf“-Bewegung verweisen gerne auf die eben

    genannten Größenverhältnisse. Ansonsten aber erfährt man von ihnen wenig über

    die genannte Untersuchung. Deswegen vier kurze Anmerkungen an dieser Stelle:

    Punkt 1:

    Befragt wurden in der besagten Untersuchung nur eine geringe Zahl von Frauen,

    nämlich lediglich 54 Frauen.

    8 Sybille Zumbeck, Die Prävalenz traumatischer Erfahrungen, posttraumatischer Belastungsstörungen und

    Dissoziation bei Prostituierten, Hamburg 2001

    9

    Punkt 2:

    Um sich vor den von ihr befürchteten Übergriffen von Zuhältern und Freiern zu

    schützen, wagte es die Psychologin – wie sie schreibt – nicht, die Sexarbeiter/innen

    an ihren Arbeitsplätzen aufzusuchen. Sie ging daher zu mehreren Hamburger

    Fachberatungsstellen. Diese hatten es jedoch hauptsächlich mit drogenabhängigen

    Beschaffungsprostituierten zu tun hatten.

    Punkt 3:

    Die Folge war: 39 der insgesamt 54 von Frau Zumbeck befragten Frauen waren

    Drogenabhängige, die ständig Heroin und Kokain konsumierten. Das waren 72 %

    ihrer Stichprobe. Diese Frauen bezeichneten sich selbst nicht als „Prostituierte“ und

    sie verstanden sich auch nicht als solche. Zumbeck wusste aber aus vorherigen

    Studien von Melissa Farley in San Francisco, dass man bei drogenabhängigen

    Prostituierten die höchsten Werte an traumatischen Belastungen finden könne.

    Punkt 4:

    Zumbeck hatte letztlich nur 11 professionelle Prostituierte in ihrer Befragung.

    Hinzu kam, dass nur 42 der 54 Frauen aktiv in der Prostitution tätig waren. 12

    weitere bereits aus der Prostitution ausgestiegene Frauen nahm sie in die

    Untersuchung auf, weil ansonsten ihre Stichprobe zu gering gewesen wäre.



    Obwohl nur 11 professionell arbeiten Prostituierte in ihrer Untersuchung vertreten

    waren, erklärte die Verfasserin der Untersuchung, dass die von ihr befragte Gruppe

    eine höhere Belastung mit dem „posttraumatischen Belastungssyndrom“

    aufzuweisen habe als eine Vergleichsgruppe amerikanischer Golf-Kriegs-Veteranen.9

    Bei all dem mochte die Verfasserin nicht ausschließen, „dass die Angaben zu

    Traumaerfahrungen durch die Drogenwirkung beeinflusst werde“10.

    Solche Forschungen zu Prostitution sind einfach nur haarsträubend. Mehrfach

    musste Sybille Zumbeck darauf verweisen, dass ihre Untersuchung in Anbetracht der

    genannten Umstände nicht als repräsentativ gelten könne. Das hinderte

    Vertreter/innen der „Stopp Sexkauf“-Bewegung jedoch nicht, ihre Zahlen als Beleg

    für die angeblichen Schäden durch Prostitution ins Feld zu führen.

    Eine weitere Feststellung von Sybille Zumbeck bleibt unerwähnt. Sie schrieb:

    Studien über das Ausmaß von Trauma-Erfahrungen bei Prostituierten könnten zwar

    zu derartigen Belastungen Angaben machen. Aber damit ließe sich kein

    Zusammenhang begründen zwischen Kindheits-Traumata und Prostitution im

    Erwachsenenalter. Aussagen über einen solchen Zusammenhang, wie ihn heute

    9 Zumbeck, S. 83

    10 S. 60

    10

    Leute wie Frau Kraus und Frau Huber behaupten, bezeichnete Zumbeck als bloße

    „Vermutung“ bzw. „Spekulation“.11

    Genau solche „Vermutungen“ und „Spekulationen“ aber haben heute Hoch-

    konjunktur. Sexarbeiter/innen werden als von zwanghaften Impulsen getriebene,

    ohne Selbstschutzmechanismen handelnde Personen beschrieben. Sie werden als

    krankhaft proträtiert.

    (SOLWODI)

    Deshalb ist es nur folgerichtig, wenn die bundesweit agierende katholische Anti-

    Prostitutions-Organisation SOLWODI in ihrem „Rundbrief März 2015“ den Leiter des

    Zentrums für Psychotraumatologie und Traumatherapie, Lutz-Ulrich Besser, fragte:

    „Können diese Frauen geheilt werden?“.

    Natürlich könne man das heutzutage behandeln, erklärte Besser. Wer Genaueres

    wissen möchte, sei auf einen Artikel von Dr. Wolfgang Wöller, Ärztlicher Leiter der

    Abteilung II des Rhein-Klinik-Krankenhauses für psychosomatische Medizin und

    Psychotherapie in Bad Honnef verwiesen – nachzulesen auf der schon erwähnten

    Website der Prostitutionsgegner trauma-and-prostitution.eu.

    Auch Dr. Wöller geht davon aus, dass Personen mit sexuellem Missbrauch in der

    Kindheit immer „häufiger zur Prostitution“ gelangen. Ausgehend von der Theorie der

    quasi suchtartigen Abhängigkeit der Betroffenen von ständigen Versuchen einer Re-

    Traumatisierung ergäben sich Konsequenzen „im Hinblick auf eine medikamen-

    töse Prophylaxe“. Als therapeutischen Ansatz zur Prävention von Reviktimisierung

    empfiehlt Wöller (ich zitiere) „die Gabe von Serotonin-Reuptake-Inhibitoren zur

    Verbesserung der Emotionsregulierung“.

    All das sind untrügliche Indizien dafür, dass wir längst auf dem Weg zu einer

    Psychiatrisierung von Sexarbeit sind.

    In einem SOLWODI-Rundbrief aus diesem Jahr zum 30-jährigen Bestehen dieser

    Organisation konnte man erfahren, dass aus Sicht von SOLWODI ein konventio-

    nelles Frauenhaus traumatisierten Prostituierten nicht mehr genug Schutz bieten

    könne. SOLWODI drängt daher auf ein besseres spezialisiertes Therapieangebot:

    „Ein spezialisiertes Therapieangebot für betroffene Frauen gibt es bisher in

    Rheinland-Pfalz nicht. Um das zu ändern, haben sich nun das

    Landeskrankenhaus in Andernach, die Rheinhessen-Fachklinik Alzey und

    SOLWODI zusammengefunden. Gemeinsam wollen Psychologen, Ärzte und

    Fachberaterinnen ein eigenes Behandlungskonzept entwickeln, speziell auch

    11 Vgl. S. 127. 131

    11

    für Migrantinnen mit Traumafolgestörungen. Denn nur, wenn Panik- und

    Angstattacken, selbstverletzendes Verhalten, Depressionen und andere

    psychische Störungen als Folge der Prostitution verstanden, anerkannt und

    behandelt werden, können die Frauen ein Leben in Würde und Freiheit

    aufbauen.“

    Beide Einrichtungen, mit denen SOLWODI hier kooperiert haben eine braune

    Vergangenheit. Es ist dokumentiert – was im Falle von Andernach bis in die 60er

    Jahre hinein geleugnet wurde –, dass diese Einrichtung unter den Nazis an

    Programmen zur Vernichtung sogenannten „lebensunwerten Lebens“ beteiligt

    waren!

    SOLWODI hat mit dieser Vergangenheit offenbar kein Problem. Unbeanstandet

    konnte der Psychotherapeut Lutz Besser im „Solwodi-Rundbrief März 2015“ erklären,

    dass „Prostitution in hohem Maße asozial“ sei. Das ist O-Ton Nazis. Und natürlich

    findet sich dieses Interview auch auf der Website der Prostitutionsgegner von „Stopp

    Sexkauf“.12

    (Fazit)

    Meiner Meinung nach muss man die von der Bundesregierung geplante

    gesundheitliche Zwangsberatung für Sexarbeiter/innen sowie das im

    „Prostituiertenschutzgesetz vorgesehene „Informations- und Beratungsgespräch“ mit

    der Überprüfung der „Einsichtsfähigkeit“ von Sexarbeiter/innen auf dem Hintergrund

    der hier dargestellten Tendenzen sehen. Nicht nur der Beruf Prostitution, sondern

    auch alle darin Tätigen sollen als „krankhaft“, als „anormal“ und „asozial“ dargestellt

    und aus der Gesellschaft ausgegrenzt werden.

    Das sollten wir uns nicht bieten lassen. Deswegen sage ich:

    Das so genannte „Prostituiertenschutzgesetz“ muss weg!

    Lasst uns gemeinsam dafür eintreten.

    Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit“!

    12 „Der Mensch wird entmenschlicht“, Interview mit Lutz-Ulrich Besser, siehe: trauma-

    and-prostitution.eu/2015/03/28/der-mensch-wird-entmenschlicht-2/#more-397

    Was immer Du Dir vorstellst....hinter meiner Tür passiert es
    wir sind auf dem Weg zu einem Überwachungsstaat, ich bin mir nur nicht sicher ob es in die Zeit zwischen 1933 - 1945 zurückgeht, oder in die Nachkriegszeit der besetzten Ostzone, oder vielleicht erhalten wir eine neue Inquisition ???

    WildcatFreiburg schrieb:

    Laut Michaela Huber handeln Sexarbeiter/innen gegen die Natur des Menschen.


    Habe auch den einen oder anderen schwulen Freund, ich erinnere mich an Zeiten, und auch selbst heute noch, an Zitate wo auch:"Homosexualität gegen die Natur des Menschen sein soll" ???
    Liberalität und Individualität soll aus unserer Gesellschaft verband werden. Alles soll ein gut kontrollierbarer Einheitsbrei werden !!!!
    Mir wird Kotzübel wenn ich über solch eine Gesellschaft nachdenke !

    Bezogen auf Sex- und Sexdienstleistung: es gibt so viele Spielarten auch in der "normalen Gesellschaft" - Zweier, Dreier, Vierer, Swinger, Hetero, Homo, Lesbo, SM, Konventionelle und Perverse Spielarten aller Art und und und ...... und bei Prostitution ist es nicht normal sondern wird ins abartige gedrängt ! Seltsam ?

    Bin, wie wahrscheinlich alle in diesem Forum, dafür Zwangsprostitution zu bekämpfen. Aber ich glaube wildcat hat recht, dass hier Sexdienstleisterinnen sowie auch wir als Sexkunden in die Illegalität getrieben werden ! Und an den Pranger gestellt !!! In dem Fall wohl Inquisition !!!
    "Überprüfung der Einsichtsfähigkeit": bös weiter gedacht müßte ja bei einem "auffälligen" Ergebnis gleich die Entmündigung eingeleitet werden. Wer so meschugge ist ist sicher auch nicht geschäftsfähig ! Wenn schon die persönlichen Daten von Huren bei dem Gesetz ein massives Problem sind, wie heftig ist dann ein Vermerk "zu dumm zum Ficken" ? Wer prüft und wo landen die Ergebnisse ? Arzt und Schweigepflicht !

    Die Besonderheit diese Berufs: dann müßte man aber im Sinne der sonst so beschworenen Gleichbehandlung die selben Kriterien auch bei etlichen anderen Berufen ansetzen. Polizisten in Brennpunkten, Rettungssanitäter, Arge-Mitarbeiter, Lehrer in Problemschulen, ... überall muß geklärt werden, ob sie sich der Gefährlichkeit ihres Berufs gewiss sind. Und das bitte auch alle 1-2 Jahre !

    Oder grad beim Führerschein: einer die Prostitution als Tätigkeit wählende Frau wird einfach mal "vermutlich nicht ganz dicht" unterstellt, aber jeder Depp darf hochmotorisiert auf die Straße ?

    Hure und Psychologe: da ich einem therapeutischen Umfeld arbeite natürlich spannend. Die Umfrage ist natürlich (wie schon angedeutet) fürn Arsch. Über eine Umfrage mit 54 Teilnehmern lacht ein guter Statistiker nur mal kurz. Das dann noch mit dem Thema "Drogenabhängigkeit" schrottet das Ding dann vollends ! Hier wäre ja auch klar der Weg Traum - Drogen - Beschaffungsprostitution ... ein ganz eigenes Feld ! Kein ernsthafter Wissenschaftler oder Referent würde diese Studie auch nur mit der Beißzange anfassen !
    Und auch die anderen, ordenbehangenen Aktivistinnen gegen die Huren müßten erstmal aufzeigen, wie sie zu den Ergebnissen kommen. Denn normalerweise geht Mensch zum Therapeut, weil er ein Problem hat. Dann irgendwann kommt zur Sprache, dass sie als Hure arbeitet. Die Therapeuten treffen nicht auf Huren, die ein Trauma haben sondern auf traumatisierte Menschen, die zum Teil als Hure arbeiten.

    Aufschrei: vielleicht sollte man ja mal andeuten, dass das auch den Schwulen passieren könnte ... man braucht vielleicht einen Schockeffekt, die Gesellschaft wach zu kriegen !
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    Die Liebe: die haut mal richtig rein !!
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