Damit erklärt oder erkennt die Regierung, dass Prostituierte eine schutzbedürftige Volksgruppe sind.

    Damit erklärt oder erkennt die Regierung, dass Prostituierte eine schutzbedürftige Volksgruppe sind.

    Die Novellierung des Prostitutionsgesetzes ist eines der Ziele der großen Koalition und Gegenstand heftiger Diskussionen. Dabei besteht ein Konsens, dass es Prostituiertenschutzgesetz heißen soll. Damit erklärt oder erkennt die Regierung, dass Prostituierte eine schutzbedürftige Volksgruppe sind. Vor wem aber sollte das Gesetz die Prostituierten schützen? Vor ihren Zuhältern? Die Zuhälterei besteht darin, Einkünfte aus der Prostitution einer anderen Person zu beziehen. Meistens erfüllt der Zuhälter eine Beschützerfunktion und rechtfertigt damit seine Anteile an dem Prostitutionsertrag.
    Wenn aber aus dem Beschützer ein Tyrann wird, der die Frau zur Steigerung ihrer Einkünfte zwingt, damit sie zum Beispiel mit bestimmten Praktiken mehr Geld verdient, dann ist dies dirigistische Zuhälterei und verboten. Also sind nach der heutigen Gesetzeslage die Prostituierten vor Übergriffen ihrer Zuhälter bestens geschützt.
    Warum sollte also der Schutz der Prostituierten vor ihren Zuhältern im Fokus der Gesetzgebung stehen? Weil die Erpressung von der gesamten Situation der Prostituierten nicht isoliert werden kann. Diese stehen mitunter unter dem Druck, ihre ganze Familie im Heimatland versorgen zu müssen. Die Funktion des Zuhälters wird nicht von einer einzigen Person eingenommen, sondern von der eigenen Verwandtschaft aufgrund deren Erwartungshaltung.
    Diese Art von Zuhälterei braucht keine sichtbaren Erpressungsmittel, die emotionale Abhängigkeit genügt. Diese erweiterten Familien sehen die Prostitution der Schwächsten ihrer Mitglieder als die allerletzte Armutsüberwindungsstrategie, die ihnen in einer desolaten Wirtschaftslage übrigbleibt. Wird das Prostituiertenschutzgesetz die im Zuge des EU-Beitritts wegrationalisierten Sozialsysteme in Rumänien und Bulgarien wiederherstellen?
    Wird sie diskriminierten Roma-Familien einen Zugang zur Grundversorgung ermöglichen? Wird das Gesetz ganze Volksteile vor der Armut schützen? Wäre das nicht der richtige Schutz, den diese Personen brauchen?

    Florence Humbert, Trier, Verein Terre des Femmes - Menschenrechte für die Frau


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