Gesprächsabend im Rahmen der Lahrer Frauenwelten über Prostituierte und wie ihre Situation verbessert werden kann.

    Gesprächsabend im Rahmen der Lahrer Frauenwelten über Prostituierte und wie ihre Situation verbessert werden kann.

    LAHR. Um die Lebenssituation von Frauen in der Prostitution ist es bei einem Gesprächsabend im Rahmen der Lahrer Frauenwelten im Bürgerzentrum Treffpunkt Stadtmühle gegangen. Einen Einblick in das Thema gaben auf Einladung des Mehrgenerationenhauses Claudia Schnebel und Hanna Lindenfelser.
    Während sich Claudia Schnebel hauptsächlich um Prostituierte kümmert, die aussteigen wollen und ihnen zu einem Neustart in ein Leben außerhalb des Milieus verhelfen will, kümmert sich Hanna Lindenfels um Frauen, die Opfer von Menschenhandel und von Gewalterfahrungen im Prostitutionsmilieu geworden sind. Gemeinsam mit Mitarbeiterinnen von Mouvement du Nid sind Schnebel und Lindenfels im Zuge der aufsuchenden Arbeit auf dem Straßburger Straßenstrich unterwegs. Der Grund: das unterschiedliche Rechts- und Kontrollsystem im grenznahen Bereich.

    "Wir sprechen die Frauen an, laden sie ein, unseren VW-Bus zu besuchen und führen erste Kontaktgespräche mit den Prostituierten." Viele von ihnen wohnen laut Aussage der beiden Fachberaterinnen in Kehl und der näheren Umgebung in der südlichen Ortenau und gehen in Straßburg auf den Strich. "Kehl ist Sperrbezirk", so Schnebel, was nicht gleichzeitig bedeute, dass es hier keine Prostitution gebe. Claudia Schnebel hat Kontakt zu rund 160 Frauen, 66 von ihnen sind im vergangenen Jahr direkt in die Beratung gekommen, 26 bekamen eine intensive Begleitung. Hanna Lindenfels hat 22 Frauen, die von Menschenhandel betroffen waren, unterstützt. Wer sind die Frauen, die Opfer von Menschenhändlern werden? "Frauen aus Rumänien und Deutschland stellen die größte Gruppe der beratenen Frauen dar", so Lindenfels. Meist sind sie zwischen 25 und 30 Jahren alt. In der Regel wollen die Frauen der Armut entkommen, Geld für die Familie im Herkunftsland erwirtschaften, zwei Drittel der Frauen haben Kinder. Sie sind als "Pendlermigrantinnen" unterwegs, manche auf eigene Faust, viele sind mit falschen Versprechungen ins Land gelockt worden.

    Die Ausführungen der beiden Fachfrauen und der Videoclip, der drastisch vor Augen führt, wie auch junge Mädchen in die Prostitution kommen, machte die Zuhörer betroffen. Sie wollen wissen, wie die Situation der Prostituierten verbessert werden könne. Eine Nachbesserung des Prostitutionsgesetzes, eine Einbindung in das Arbeits- und Gewerberecht sowie den Zugang der betroffenen Frauen in eine Krankenversicherung, in die Gesundheitsversorgung und in Beratungsstellen sowie deren bessere finanzielle Ausstattung, fordert Claudia Schnebel. Zudem sollte Prostitution in einem legalen Bereich stattfinden, weder Freier noch Huren sollten kriminalisiert werden. "Illegale zu schützen ist sehr schwer, die rutschen ins Dunkle ab", so Schnebel. Und was Frauen angeht, die von Menschenhändlern zum Zweck der sexuellen Ausbeutung missbraucht werden, sagt Lindenfels: "Um diese Frauen zu schützen, müssen die Opferrechte gestärkt werden. Nach einer Anzeige oder einem Strafprozess müssen die Frauen einen Zugang zum Arbeitsmarkt, einen gesicherten Aufenthaltstitel bekommen und Unterstützung durch Fachberatungsstellen bekommen." Da liege noch vieles im Argen. Zudem sei auch die Migrationspolitik gefordert. "Aufklärungsarbeit in den Herkunftsländern gehört auch dazu", so Lindenfels.

    DIE REFERENTINNEN

    Claudia Schnebel arbeitet bei der Kehler Beratungsstelle P.I.N.K., ein Modellprojekt, das Frauen beim Ausstieg aus der Prostitution unterstützt. Begleitet wurde sie von Hanna Lindenfelser, die in Kehl bei der Fachberatungsstelle FreiJA – Aktiv gegen Menschenhandel – arbeitet. Beide Fachberatungsstellen leisten Lobbyarbeit, unterstützen und beraten Prostituierte im Auftrag des Diakonischen Werks Baden.