Mal genau andersherum: Anwohner pro Puff und contra Supermarkt

    Mal genau andersherum: Anwohner pro Puff und contra Supermarkt

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    24.04.2012



    BIZARRER STREIT
    Neugraben: Lieber Puff als Supermarkt


    Liebesdienerinnen in Reizwäsche statt Männer im Blaumann? Investoren aus dem Rotlicht-Milieu wollen aus dem Opel-Autohaus „Rubbert“ in Neugraben einen Mega-Puff machen. Die Anwohner würde es nicht mal stören. Sie wollen nur keinen großen Supermarkt.


    „Ja, es gibt einen finanzstarken Interessenten aus dem Rotlichtmilieu,“ bestätigte Autohaus-Chef Thorsten Rubbert (32) der MOPO. Laut „Harburger Anzeigen und Nachrichten“ planen Hamburger Rotlicht-Investoren eine „schöne, große Saunalandschaft mit Sado-Maso-Bereich und allem Drum und Dran“. Die Anwohner würde das Bordell weniger stören als ein großer Supermarkt. Rewe hat ebenfalls Interesse an der Fläche bekundet.

    Sven Jürgens (54), Sprecher einer Anwohnerinitiative: „Ein Bordell macht mir keine Sorgen, das ist auf alle Fälle ruhiger als ein großer Rewe-Markt.“ Direkt vor seiner Wohnung liegt der große Parkplatz des Autohauses. Wenn Rewe kommt, rechnet Jürgens mit 1400 Auto täglich. Bei einem Bordell dürfte es nur ein Bruchteil davon sein.

    Hintergrund der Vermietungs-Pläne ist der Wunsch der Firma „Rubbert“, sich zu verkleinern. Eigentümer der Fläche an der Cuxhavener Straße/Bauernweide ist die Familie Rubbert. Thorsten Rubbert: „Wir suchen einen neuen Standort, weil der Betrieb für uns deutlich zu groß geworden ist.“ Eigentlich möchte Rubbert gern an Rewe vermieten. Er meint: „Wir sind Neugrabener und befürchten, dass der Stadtteil weiter kaputt geht. Wir wollen, dass Neugraben nach vorn kommt. Der Rewe-Markt würde dazu beitragen.“

    Das sehen die SPD und die Anwohnerinitiative ganz anders. Sie befürchten, dass der große Supermarkt Kaufkraft aus dem dahinsiechenden Zentrum Neugrabens abzieht. Sven Jürgens: „Natürlich würden dort Kunden abgefischt werden

    Montagabend hat der Stadtplanungsausschuss den Rewe-Markt abgelehnt. Kommt also der Puff? Sozialdemokrat Muammer Kazanci (35): „So was wird es mit der SPD nicht geben.“ Die SPD lehnt das Bordell nicht aus moralischen Gründen, sondern aus Rücksicht auf die Anwohner ab. Aber die scheint ein Bordell ja gar nicht zu stören. Die Frage ist, ob Kommunalpolitiker einen Puff überhaupt verhindern können. Schließlich handelt es sich beim Standort um ein Gewerbegebiet. Und ein Bordellbetrieb ist rechtlich ein Gewerbebetrieb wie jeder andere auch.