Sexaffäre: Hotels müssen schließen

    Sexaffäre: Hotels müssen schließen

    aus: AHGZ-Druckausgaben Nr. 2011/43 vom 22. Oktober 2011

    Stuttgart/Lille. Dass Prostituierte in Hotels auf Kundenfang gehen, kommt vor. Genauso wie sich mancher Gast beim Hotelpersonal nach käuflichem Sex erkundigt. „Prostitution in Hotels gibt es sicherlich schon in Deutschland“, meint beispielsweise Simeon Schad, Geschäftsführer des V8 Hotels in Böblingen und des Hotels Keinath in Stuttgart-Zuffenhausen. „Aber das sind Einzelfälle.“ Wenn auffällt, dass jemand ein Zimmer bucht, um dort dem Gewerbe nachzugehen, werde das im System vermerkt, so Schad, und eine Buchung von der Person werde nicht mehr zugelassen.

    Im französischen Lille zieht derzeit eine Affäre im Luxushotel Carlton immer größere Kreise. Dessen Direktion soll Gästen auf deren Wunsch Besuche bei Prostituierten im nahen Belgien organisiert haben. Zunächst wurden vor Tagen Hoteldirektor Francis Henrion und dessen PR-Manager René Kojfer verhaftet und verhört. Im Ergebnis wurde gegen beide ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der „gewerbsmäßigen Zuhälterei“ und „Bandenbildung“ eröffnet. Ihnen wird vorgeworfen, regelmäßig Gäste zu Prostituierten in Belgien geschickt oder sogar begleitet zu haben, wo Bordelle zugelassen sind, während sie in Frankreich bereits vor mehr als 50 Jahren verboten wurden.

    In Belgien wurde von der Polizei Dominique Alderweireld verhaftet, der dort Besitzer mehrerer Rotlicht-Etablissements ist und freundschaftliche und geschäftliche Beziehungen zu Henrion und Kojfer haben soll. Inzwischen wurden auch zahlreiche Gäste des Hotels Carlton vorgeladen und verhört. Ihre Namen habe die Polizei von Prostituierten erhalten, geht aus Presseberichten hervor. Demnach laufen jetzt auch Ermittlungen gegen einige hochrangige Polizeioffiziere der Stadt, die Freunde von Kojfer und regelmäßig Gäste geselliger Abende im Hotel gewesen sein sollen. Der Untersuchungsrichter entschied, das Carlton sowie das Alizé und das Hotel des Tours, die ebenfalls von Francis Henrion geleitet werden, für drei Monate schließen zu lassen.

    Das Schicksal der insgesamt 110 Mitarbeiter der drei Hotels ist völlig offen, denn für die Lohnfortzahlung reichen die finanziellen Mittel der Hotels keinesfalls aus. Zum Verdacht der „gewerbsmäßigen Zuhälterei“ genügt es in Frankreich schon, die Adresse oder Telefonnummer einer Prostituierten weitergegeben zu haben, auch ohne jeglichen eigenen Vorteil. Besonders gefährdet sind Hoteliers, denn sie können schon als Zuhälter angeklagt werden, wenn sie die „Anbahnung und Ausübung von Prostitution“ in den Räumen ihres Hotels ermöglichen oder auch nur tolerieren. In solchen Fällen droht ihnen bis zu zehn Jahre Gefängnis und dem Hotel eine millionenschwere Geldstrafe.

    In Deutschland regelt das Gesetz die Prostitution als Dienstleistung und sieht sie als Form der Erwerbsarbeit an. Zimmer an Sexarbeiterinnen zu vermieten, sei gewiss nicht im Sinne der Hotelnutzung, betont allerdings ein Hotelmanager in Berlin, der seinen Namen nicht öffentlich nennen möchte. Aber: „Unter Umständen“ könne das Angebot käuflicher Lust eine Ergänzung darstellen. Voraussetzung: Prostituierte treten nicht plump, nicht ordinär auf und beschädigen nicht die Reputation des Hauses.

    Einer internen Business-Ethik folgt nach eigenen Angaben Pentahotels. „Aus den kontinuierlichen Gesprächen mit unseren GMs haben wir bei Pentahotels keine Anfragen von Gästen über sexuelle Dienstleistungen“ und es gebe auch kein Frauen, die in den Lounges auf ,Kundenfang’ gehen, teilt Sönke Ingwersen mit, Director of Marketing and Communications Europe. Pentahotels verurteile alle Formen der kommerziellen Ausbeutung und des sexuellen Missbrauchs. Für Gabriele Maessen, General Manager Leonardo Royal Hotel Berlin, sind Prostituierte im Hotel kein Thema, da sie in ihrem Haus nicht auftreten.

    Dem DEHOGA-Bundesverband liegen zum Thema keine Hintergrundinformationen vor. „Vonseiten der Mitglieder gibt es keine Nachfrage nach Verhaltensrichtlinien oder Empfehlungen“, sagt Pressesprecherin Stefanie Heckel und verweist auf das Prostituiertengesetz. Mit wem Gäste das Bett teilen, sei nicht Sache des Hoteliers.

    Ralf Klingsieck und Heike Kinkopf